Zurück zum Blog

Eigenheim in der Schweiz: Können sich junge Menschen den Kauf noch leisten?

Du arbeitest, legst Geld zur Seite und suchst nach einem Eigenheim. Trotzdem wirken die Kaufpreise unerreichbar. So kann sich die Suche nach dem ersten Eigenheim anfühlen. Reicht ein guter Lohn heute überhaupt noch?

Für manche ja, aber längst nicht für alle. Entscheidend sind dein Einkommen, das bereits vorhandene Geld und das Eigenheim, das du suchst. Wer nicht kaufen kann, spart deshalb nicht automatisch zu wenig.

Warum ein guter Lohn oft nicht reicht

Für Eigenheime im Stockwerkeigentum lagen die Preise 2025 schweizweit rund dreimal so hoch wie 1985. Die Löhne haben sich dagegen nur knapp verdoppelt. Das zeigen die Preisdaten von Wüest Partner / SNB und die Lohndaten des BFS.

Das heisst: Vom Lohn lässt sich heute ein kleinerer Teil des Kaufpreises bezahlen. Die Grafik zeigt diese Entwicklung für die ganze Schweiz, nicht den Preis jedes einzelnen Eigenheims.

So liest du die Grafik: Beide Linien starten 1985 bei 100. Bei 200 ist der Preis oder Lohn doppelt so hoch wie damals, bei 300 dreimal so hoch. Die obere Linie zeigt die Preise für Eigenheime im Stockwerkeigentum, die untere die Löhne am Ende des Vergleichs. Die Preisreihe umfasst keine Einfamilienhäuser. Quellen: Wüest Partner / SNB und BFS.
Wie stark sind Preise und Löhne seit 1985 gestiegen?
JahrEigenheimpreiseLöhne
19850.0 %0.0 %
1990+27.8 %+20.6 %
1995+25.4 %+42.6 %
2000+14.0 %+48.4 %
2005+31.9 %+59.9 %
2010+74.2 %+72.7 %
2015+121.4 %+79.1 %
2020+136.3 %+85.1 %
2025+200.7 %+96.7 %

Zum Beispiel bedeutet +200 Prozent: Der Preis ist auf das Dreifache gestiegen. Die allgemeine Teuerung ist nicht abgezogen. Verglichen werden Preise für Eigenheime im Stockwerkeigentum und Löhne, nicht das gesamte Haushaltseinkommen. Die Quellen führen die Werte über die Jahre fort; das BFS hat 1994 die Datenerhebung geändert. Das schränkt den historischen Vergleich ein.

Was heisst das für deinen Kauf?

Ab etwa 2010 geht die Preislinie deutlich steiler nach oben als die Lohnlinie. Für dich bedeutet das: Ein höherer Lohn gleicht höhere Kaufpreise nicht unbedingt aus. Du brauchst auch mehr eigenes Geld.

Ein Beispiel: Bei CHF 600'000 Kaufpreis sind 20 Prozent Eigenmittel CHF 120'000. Bei einer Million sind es CHF 200'000. Die zusätzlichen CHF 80'000 musst du zuerst aufbringen. Das sind Beispielpreise, keine Preise für bestimmte Jahre oder Gemeinden.

Gleichzeitig laufen Miete und Alltag weiter. Wer erst seit wenigen Jahren verdient, hatte weniger Zeit zum Sparen. Darum ist die Hürde für junge Erstkäufer besonders hoch.

Warum bleibt ein Eigenheim so teuer?

Der Preis richtet sich nicht nach deinem Lohn. Er hängt auch davon ab, wie viele Menschen kaufen wollen und wie viele Eigenheime verfügbar sind. Die Studie von Raiffeisen nennt das knappe Angebot im Verhältnis zur Nachfrage als Hauptgrund.

  • Zu wenig passende Objekte: Wenn viele Haushalte um wenige Eigenheime konkurrieren, steigen die Preise. Neues Bauland und neue Eigenheime stehen nicht einfach sofort bereit.
  • Tiefe Zinsen helfen nicht nur dir: Sie machen den Kauf auch für andere attraktiver. Mehr Nachfrage kann die Kaufpreise weiter erhöhen.

Die Grafik zeigt die Preisentwicklung, nicht den Anteil einzelner Ursachen. Auch Zinsen und Wohnkosten sind darin nicht enthalten.

Wer hat heute Chancen auf ein Eigenheim?

Es gibt nicht die eine Antwort für alle jungen Menschen. Zwei verlässliche Einkommen können einen Kauf möglich machen, der mit einem Lohn nicht funktioniert. Auch der Ort zählt: Ein kleineres Eigenheim in einer anderen Gemeinde kann eher ins Budget passen.

Ersparnisse, Vorsorgegeld oder Unterstützung aus der Familie können beim Start helfen. Aber nicht alle haben diese Möglichkeiten. Und ein längerer Arbeitsweg oder weniger Platz ist nicht für jeden Haushalt machbar. Für manche bleibt Eigentum deshalb auch mit sorgfältigem Sparen ausser Reichweite.

Zwei Fragen entscheiden über deinen Kauf

  • Reicht dein eigenes Geld? Es muss für deinen Anteil am Kauf und die zusätzlichen Kosten genügen.
  • Reicht dein Einkommen? Du musst Zinsen, Unterhalt und Amortisation langfristig bezahlen können.

Wie Pensionskasse und Säule 3a helfen können und wie du deine Zahlen prüfst, zeigt unser Beitrag mit Hypothekenrechner: «Eigenheim finanzieren: Wie viel Eigenkapital und Einkommen brauchst du?».

Unser Fazit: möglich, aber nicht für alle

Ja, junge Menschen können heute ein Eigenheim kaufen. Ein guter Lohn allein ist aber keine Garantie. Preise, vorhandenes Geld und Lebenssituation müssen zusammenpassen. Wenn die Rechnung nicht aufgeht, ist das kein persönliches Versagen.

Die günstigere Phase um das Jahr 2000 hilft, den Unterschied zu verstehen. Für deine Entscheidung zählt aber, was du dir heute leisten kannst. Dabei soll genügend Geld für das Leben nach dem Kauf bleiben.